Zhao Liang
* 1971 in Dandong (cn), lebt und arbeitet in Peking (cn)

City Scene
2004 – 2005
Video übertragen auf DVD, 23 Min., Farbe, Ton

Zhao Liang hat Ausdauer – eine Ausdauer, die ihn mit vielen Figuren in seinen dokumentarischen Filmen verbindet. Es sind die individuellen Geschichten der Unterprivilegierten, die ihn interessieren und aus denen er Anhaltspunkte für die gesellschaftliche Verfasstheit Chinas herauskristallisiert. Er hält die Seiten des Lebens fest, die von der offiziellen Politik ignoriert werden, und agiert dabei als Chronist des Alltags. Vergeblichkeit, Leben im Leerlauf, Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen sind Motive, die alle seine Filme durchziehen. Die dramatischen Konsequenzen der schnellen ökonomischen und strukturellen Transformation in China bilden den durchgängigen Hintergrund für seine Arbeit. Sein Video City Scene folgt nicht so sehr den typischen Prinzipien eines Dokumentarfilms, als dass es unweigerlich eine Seite Chinas »dokumentiert«, die bisher kaum Gegenstand von Filmaufnahmen geworden ist. Eine Serie kurzer filmischer Szenen hat der Künstler zu einem Bilderbogen von Peking und seinen Einwohnern montiert – Menschen, die sich vor einer Großbaustelle massieren lassen, die sich brutal prügeln, bis Blut fließt, die auf einer Brücke über der Stadtautobahn zu Musik tanzen –, der ein merkwürdig poetisches Porträt der gegenwärtigen chinesischen Metropole zeichnet. Auf die veränderten urbanen und sozialen Bedingungen reagieren die Figuren aggressiv oder stoisch in Situationen, die zunächst widersprüchlich wirken und erst kurz vor dem jeweiligen Szenenwechsel ihren Fokus finden. Zhao untersucht das neue China mit all seinen Ausbrüchen irrationaler Gewalt und dem plötzlichen Aufscheinen von Toleranz in zufällig gefundenen (metaphorischen) Alltagsbildern. Nie kommentiert er das Aufgenommene, sondern stellt die verschiedenen Szenen einfach nebeneinander – und überlässt es den Betrachtern, zu urteilen.