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Tris Vonna-Michell * 1982 in Southend On Sea (gb)n, lebt und arbeitet in London (gb) Studio A 2008, Installation, verschiedene Materialien und Objekte, Größe variabel Ein scheinbar unbedeutendes Ereignis bildete den Anlass für Tris Vonna-Michells Reise nach Detroit: Auf den verstaubten Regalen lokaler Charity Shops im englischen Southend entdeckte er unzählige VHS-Bänder alter RoboCop-Filme, die ein fiktives Detroit in einer dystopischen Zukunft darstellen. Dieser Fund weckte sein Interesse am aktuellen Zustand der Stadt, in die er im Dezember 2007 reiste, um ihre Straßen zu erkunden und ihre Geräuschkulisse aufzunehmen. Für die 5. berlin biennale entwickelt Vonna-Michell aus Recherche- und Bildmaterial, RoboCop-Audiofragmenten und Mitschnitten städtischer Soundscapes ein urbanes Psychogramm in Form eines dichten installativen Settings. Was verbindet den Cyborg-Officer aus dem Film von 1987 mit englischen Trödelläden und der US-amerikanischen Stadt mit dem Spitznamen Motor City? Bemerkenswert viel: Detroit, das als Inbegriff der Automobilproduktion der »Großen Drei« galt, war eine expandierende Metropole der 1920er Jahre. Heute schrumpft sie. Der ehemalige Motor des amerikanischen Wachstums wurde zum virtuellen Schauplatz für RoboCop, für internationale Leerstands- und Kriminalitätsfantasien. Die Filmindustrie nutzte das negative symbolische Kapital der Stadt und etablierte eine untrennbar mit ihr verknüpfte Ikonografie der Hoffnungslosigkeit – obwohl die Dreharbeiten zu RoboCop größtenteils in Dallas stattfanden. Mittlerweile wurden die RoboCop-Videos von ihren Besitzern entsorgt und versammeln sich im Unterbewusstsein des kulturellen Gedächtnisses – inmitten vergessener Objekte in Charity Shops. Als Antwort auf diese miteinander in Beziehung stehenden Stränge stellt sich Vonna-Michell der wechselhaften Be- und Entwertung von Alltagsgegenständen im Fluss des Kapitalismus. Dem widmet er sich im Dachgeschoss der KW, einstmals ein Produktionsort für Margarine, der nun in einen Atelier- und Installationsraum transformiert wurde, in dem Vonna-Michell ein dichtes Netz aus Stadtimaginationen spannt, das eng an die Produktions- und Deproduktionszyklen des Materiellen und Immateriellen gekoppelt ist. |