Mona Vătămanu / Florin Tudor
Mona Vătămanu, * 1968 in Constanta (ro), lebt und arbeitet in Bukarest (ro)
Florin Tudor, * 1974 in Genf (ch), lebt und arbeitet in Bukarest (ro)

Appointment with History/Intalnire cu Istoria
seit 2007, Serie von 10 Gemälden, Öl auf Leinwand, je 40 x 50 cm

Communist Manifesto/Manifestul comunismului
2008, Installation, Mikrofon, Holz, Stühle, Ton, Größe variabel

Mona Vătămanu und Florin Tudor legen Schichten politischer und ökonomischer Einschreibungen in urbane Architektur und Städteplanung frei. Ausgehend von den persönlichen Erfahrungen ihrer Generation, die im realsozialistischen Rumänien Ceauşescus aufwuchs, sowie den Bedingungen im heutigen postrevolutionären neoliberalen EU-Mitgliedsstaat analysiert das Künstlerduo in Filmen, Performances, Fotografien und Installationen die Geschichte von Orten, Plätzen und Gebäuden, die zum Schauplatz dramatischer politischer Ereignisse wie auch persönlicher Erinnerungen wurden.
In ihrer unabgeschlossenen Malerei-Serie Appointment with History/Intalnire cu Istoria vollziehen Vătămanu und Tudor Prozesse kollektiven und persönlichen Erinnerns nach. Auslöser der Serie war eine antikapitalistische Demonstration, deren Zeugen die Künstler in Basel wurden und deren politische Symbole und Parolen ihnen aus ihrer Jugend im sozialistischen Rumänien vertraut waren. Die dichten, kleinformatigen Gemälde sind Produkte einer malerischen Auseinandersetzung auf der Suche nach einem neuen Symbol kommunistischer Utopie, das das Scheitern und die Verfehlungen mit einschließt. Sie werden Schicht um Schicht in einem Prozess erarbeitet, der in Stil, Farbwahl und Farbauftrag an die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts erinnern soll. Die Motive recherchiert das Duo in Archiven, Schulbüchern, Fotografien und Propaganda-Filmen, wo es allgemein vertraute Bilder findet: eine Schlange von Menschen vor Supermärkten im real existierenden Sozialismus, eine Menschenmenge 1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin oder eine Szene aus Film Imposibila iubire (Unmögliche Liebe, 1983), in der ein Arbeiter seine im Aufbau begriffene Weltanschauung betrachtet.
Die Audioinstallation Communist Manifesto/Manifestul comunismului (2008) besteht aus einem Rednerpult mit offenem Mikrofon, Stuhlreihen und Lautsprecherboxen, aus denen Das Kommunistische Manifest (1848) von Friedrich Engels und Karl Marx zu hören ist. Über die Bilder gelegt, fordert der Soundtrack dazu auf, sich der ideologischen Überlagerungen bewusst zu werden und die Trennung von Theorie und Praxis zu hinterfragen.