Piotr Uklański
* 1968 in Warschau (pl), lebt und arbeitet in New York (us) und Warschau (pl)

Untitled (Fist)
2007, Stahlrohr, Lack

Untitled (Zwycięstwo)
2008, Baumwollstoff

Piotr Uklańskis Skulptur bedient sich der großen Geste – eine Methode, die der Künstler bereits vielfach angewandt hat. Er schöpft in seiner künstlerischen Praxis, die fast jedes Format beinhaltet, aus dem bildreichen Fundus der Popkultur und stellt sie durch konzeptuelle Interventionen zur Disposition. Dieses Verfahren setzt er auch bei seiner aus Metall gegossenen geballten Faust ein, die trotz ihrer monumentalen Größe im Zeichenhaften verbleibt, da sie nicht vollplastisch ausgearbeitet, sondern nur durch das disegno ihrer Umrisse gefasst ist. Dadurch wird die Gestik der Faust durchlässig für ihre Umgebung und setzt sich gleichzeitig symbolhaft von ihr ab. Die erhobene Faust drückt Aggressivität, Widerstand und Kampfbereitschaft aus und wurde in dieser Bedeutung vielfach von den verschiedensten aktivistischen Gruppen genutzt, so von der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts (später dann ausdifferenzierter von kommunistischen beziehungsweise sozialistischen Untergruppierungen) oder der Black-Power-Bewegung. Uklański bezieht sich auf diese Referenzen, unterläuft sie allerdings auch, indem er die Geste ins Monumentale erhöht und sie dadurch auch aus ihrem Bezugssystem, der menschlichen Relation, herauslöst. In ihrer Überzeichnung verliert die ehemals aufgeladene Gestik an Bedeutung und wird zur Hülse. Platziert vor dem mächtigen Bau der Neuen Nationalgalerie, relativiert die Arbeit historische Bedeutungen und politische Gesten, wurde doch der Museumsbau von Westberlin als Symbolträger im politischen Kulturkampf zwischen den zwei opponierenden Systemen der BRD und DDR errichtet. Inzwischen ist diese Auseinandersetzung beendet, und die Neue Nationalgalerie hat an symbolischer Bedeutung verloren. Zurückgeblieben sind die Gesten ohne ihre inhaltlichen Bezüge, ganz ähnlich wie die riesige geballte Faust, die ihr Bedeutungssystem verloren hat in der überdimensionalen Fülle popkultureller Posen. Eine neue ortsspezifische Arbeit von Uklański, Untitled (Zwycięstwo) (Sieg), wird am Brandenburger Tor gezeigt und bezieht sich auf die Legenden um die Schlacht um Berlin 1945 und den Wettstreit der verschiedenen alliierten Truppen, darunter auch die polnischen, ihre Nationalflagge als Erste am Tor zu hissen.