Stefan Thater
* 1968 in Hamburg (de), lebt und arbeitet in Berlin (de)

Untitled
2008, Installation, Zeichnungen, Malerei, verschiedene Materialien, Maße variabel

Berliner Dienstleistern, insbesondere Schustern und Schlossern, ist Stefan Thater kein Unbekannter. Bei ihnen, aber auch auf den Straßen der Stadt findet der Künstler die Gebrauchsgegenstände, die er für seine Arbeiten verwendet. Seine Sammelleidenschaft bildet die Vorstufe zu seinem Schaffen. So steht das Quellenmaterial, das Thater für das Buch zur 5. berlin biennale eingereicht hat, in engster Verbindung mit seiner Arbeit. Es wird deutlich, dass unterschiedliche Fundstücke zu unterschiedlichen Zeiten sein Interesse geweckt haben: Werkzeuge, Schlüssel, Gummiringe, Fahrräder, Motorradgriffe. Seit 2004 stehen sie im Zentrum seiner Gemälde, die er bevorzugt auf dünne Hartfaserplatten oder Polyesterharz malt. Auf diesen Hintergründen entspinnt sich ein Schattentheater alltäglicher Gegenstände. Der Künstler ritzt mit ihnen in die gemalte Oberfläche, er hält ihre Umrisse fest oder bannt sie per Abdruckverfahren in Farbe. Die Bilder changieren zwischen Abstraktion und Figuration. Sie scheinen Geschichten aus vergangenen Zeiten zu erzählen. Doch nichts funktioniert hier über einfache Wiedererkennung. Bei aller Schaulust, die die Darstellung eines Baumes mit üppigem Blattwerk oder eines Geisterschiffs auslösen mag, bleibt unverkennbar, dass es dem Künstler nicht allein um das Sichtbare geht. Er bürstet wider den Strich, was zunächst als Gegenstand wie als Abbild eindeutig anmutet. In den KW Institute for Contemporary Art sind neue in Beton und in Tusche und Terpentin auf Papier ausgeführte Arbeiten Thaters auf Tischen angeordnet und an der Wand gehängt. Wieder sind Alltagsobjekte die heimlichen Hauptdarsteller, auch wenn ihre geisterhaften Umrisse eher auf dem Papier umzugehen als darauf abgebildet zu sein scheinen. Sie verbinden sich beliebig mit Kunststoff- und Hartfaserplatten, die wie Matten vor den Bildern liegen. Die räumliche Anordnung bringt Bewegung in die Wahrnehmung: Der Blick beginnt zwischen den Bildern und Strukturen zu wandern, verirrt sich in den Interferenzen zwischen der Flächigkeit von Gemälde und Zeichnung und der Dreidimensionalität des Dings.