Zofia Stryjeńska
* 1891 in Krakau (pl)
† 1976 in Genf (ch)

Paulina Olowska
* 1976 in Danzig (pl), lebt und arbeitet in Warschau (pl) und Berlin (de)

Zofia Stryjeńska
kuratiert von Paulina Olowska
13. Juni – 29. Juni 2008
Poster, Illustrationen und Dokumente von und über Zofia Stryjeńska

Zofia Stryjeńska (1891–1974) war eine so wichtige wie exzentrische Persönlichkeit innerhalb der polnischen Kunstszene der 1920er und 1930er Jahre, die sich nicht von gesellschaftlichen Rollen und Regeln einengen ließ. Der anerkannten »modernen« Künstleravantgarde war sie zu naiv-volkstümlich, den patriotischen und nationalistischen Neo-Volkskünstlern dagegen zu freigeistig und innovativ. Stryjeńskas Bilder, Zeichnungen und Wandmalereien sind geprägt von einem narrativ-illustrativen, von Art déco beeinflussten Malstil. Zu ihren Lieblingsthemen zählten heidnische slawische Mythen, katholischer Volksglaube und polnische Folklore, wie die farbenfrohen Trachten und Tänze der Landbevölkerung. Gleichzeitig behandelte Stryjeńska ihre inhaltliche Motivwahl sehr kreativ und erfinderisch und schuf sich beispielsweise ihre eigenen slawischen Gottheiten oder zeigte glückliche Landfrauen in erotisch-selbstbewussten Posen. Höhepunkt in Stryjeńskas künstlerischer Karriere war die Teilnahme an der Weltausstellung Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes 1925 in Paris im polnischen Pavillon, dessen Hauptraum sie mit sechs großformatigen Gemälden ausstattete, die das Landleben im Wechsel der Jahreszeiten zeigten. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte Stryjeńska in die Schweiz, nicht zuletzt, weil sie sich weigerte, in die staatstreue Gewerkschaft der polnischen Künstler einzutreten, und geriet immer mehr in Vergessenheit, während ihre Arbeit Eingang in die polnische Populärkultur fand. Erst 1989, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Polen, wurden ihre Tagebücher veröffentlicht, und ihr Werk erhielt langsam wieder die Anerkennung und Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Es sind die zeitgenössische Arbeitsweise und die Haltung, die Paulina Olowska, die Kuratorin der Ausstellung, faszinieren, und auch die Breite des künstlerischen Schaffens Stryjeńskas, die nicht nur gemalt und gezeichnet hat, sondern Illustratorin von Kinderbüchern und Kalendern, Mode-, Teppich- und Grafikdesignerin war sowie Spielzeuge, Bühnenbilder und Kostüme entwarf.