Ettore Sottsass
* 1917 in Innsbruck (at)
† 2007 in Mailand (it)

Lili Reynaud-Dewar
* 1975, in La Rochelle (fr), lebt und arbeitet in Bordeaux (fr)

Ettore Sottsass
kuratiert von Lili Reynaud-Dewar
1. Mai – 18. Mai 2008
Designobjekte und Texte von Ettore Sottsass

Im Gegensatz zu Minimalismus und Eleganz der meisten modernen Design-Objekte bewegten sich die Arbeiten des Architekten und Designers Ettore Sottsass oft an den Grenzen des »guten Geschmacks«. Am bekanntesten ist Sottsass für seine industriellen Objekte, so die Entwürfe für Olivetti, darunter die leuchtend rote Reiseschreibmaschine Valentine (1970, am Valentinstag ausgeliefert). Mit knalligen Farben und archaischen Formen dekonstruierte Sottsass die Welt des Designs – im Fall von Olivetti, um den Angestellten die Angst vor der neuen Technik zu nehmen. Meist in Kooperation mit Herstellern von Keramik, Haushaltsartikeln, Möbeln oder Büromaschinen entstanden humorvolle Produkte an der Grenze des ästhetisch Erträglichen. Seine oft monumentalen Möbel waren zum Beispiel mit einer Plastikschicht bezogen und mit nervösen Mustern gesprenkelt. Insbesondere in den Jahren von Memphis, einem sich in den 1980er Jahren gegen alles Traditionelle profilierenden Mailänder Designkollektivs, verfolgte Sottsass die Idee, Massenprodukte auf dem internationalen Markt anzubieten. Nicht nur fernöstliche Religion beeinflusste seine Produktion, sondern auch die enge Freundschaft mit dem amerikanischen Beat-Schriftsteller Allen Ginsberg. Sich auf eine Erkenntnis des Psychoanalytikers C. G. Jung berufend, dass alle Menschen aufgrund ähnlicher Erfahrungen universale Symbole wie etwa den Kreis verstehen könnten, verwandte er einfache geometrische Formen wie Zylinder, Kegel und Kugeln. Jedes Produkt sollte mit seinem Nutzer kommunizieren.
Lili Reynaud-Dewar hat wiederholt ihre Quellen in den Schriften und Möbeln von Sottsass gefunden. Sottsass plante, an dieser Ausstellung mitzuwirken, bevor er Ende 2007 verstarb. Aus dem Mangel an direktem Austausch entwickelte Reynaud-Dewar dieses Projekt. In Konzentration auf Sottsass’ Arbeitsphase der 1960er und 1970er Jahre schafft sie einen Hintergrund für seine Objekte, während einige seiner Texte an den Scheiben des Schinkel Pavillon angebracht sind – Manifeste seines Designkonzepts, die während der Eröffnung von Performern gelesen werden.