Paul Sietsema
* 1968 in Los Angeles (us), lebt und arbeitet in Los Angeles (us)

Figure 3
2008, 16-mm -Film, ca. 25 Min., schwarz-weiss, ohne Ton

Bei Paul Sietsema stehen Recherchen am Anfang eines jeden Projekts. Dabei geht es ihm um eine Reflexion der historischen Auswirkungen heutiger Informationsmedien. Seine eher leichthändigen denn peniblen Untersuchungen führen allerdings in unvorhersehbare Richtungen und lassen ihn unwahrscheinliche historische Verbindungslinien ziehen. Objekte, Fotografien, Architekturen oder auch Abbildungen in Büchern werden vom Künstler exploriert und präzise nachgebildet, um schließlich zu Protagonisten seiner Filme zu werden – allerdings in reduzierter Form. Das Interieur von Clement Greenbergs New Yorker Appartement, Blumen, ozeanische Objekte: Sie alle erscheinen eher als konstruierte Faksimiles denn als reale Gegenstände in Sietsemas Filmen. Mit dieser Übertragung von Motiven zwischen Medien wird die Kopplung von Form und Inhalt, Medium und Dargestelltem durchbrochen; es entstehen neue Möglichkeitsräume, in denen Zeitverschiebungen und Rekonstruktionen spezifischer materieller Gegebenheiten eine große Rolle spielen. Figure 3 bezieht sich unter anderem auf die Ausstellung Anti-Illusion: Procedures/Materials 1969 im New Yorker Whitney Museum of American Art, die vielfach als Attacke auf die stabile materielle Abgeschlossenheit von Kunstwerken verstanden wurde. Die prozessualen Arbeiten von Bruce Nauman, Keith Sonnier, Eva Hesse und anderen machten deutlich, dass die Vorstellung, Kunst sei ein nicht umkehrbarer Prozess, der in einem statischen, ikonischen Objekt seinen Abschluss finde, nicht länger relevant war. Genau in diesem Spannungsfeld von Konvention und Imagination, Abbild und Projektion, Kunst und Nicht-Kunst entfaltet sich Sietsemas Schaffen. In seinem neuen 16-mm-Film werden mit poetischer Leichtigkeit Referenzen auf die legendäre Ausstellung mit Rekonstruktionen ethnografischer Objekte aus Ozeanien überlagert, die der Künstler aus vorgefundenen Materialien wie Klebeband oder Holzstücken aus seinem Atelier gefertigt hat. Er etabliert eine eigene Ordnung und konterkariert die Vorstellung von linearen Zeit- und Erzählverläufen. Durch starke Überbelichtung verfremdet er Bilder seines Films, der ganz ohne Ton auskommt: Lediglich das Surren des Projektors ist zu hören.