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Kateřina Šedá
* 1977 in Brünn (cz), lebt und arbeitet in Brünn und Prag (cz)
OVER AND OVER
2008, Zeichnungen, Modelle
In den letzten fünf Jahren haben die Zäune und Mauern in Líšeň, dem tschechischen Heimatort von Kateřina Šedá, an Größe und Höhe zugenommen. Macht man heute einen Spaziergang durch das Dorf, führt der Weg an hohen Abgrenzungen entlang, die entstanden sind, weil die Einkommensverhältnisse sich mit dem Vormarsch des Kapitalismus verändert haben und die sozialen Unterschiede weit auseinander klaffen. Die Dorfgemeinschaft hat sich gewandelt: Es wird weniger untereinander kommuniziert, ein gemeinsames Leben findet kaum noch statt. Šedá, die sich hier – wie bereits in früheren Projekten – mit ihrem direkten sozialen Umfeld beschäftigt, zielt darauf ab, festgefahrene Strukturen aufzulösen, um eine gemeinsame Kommunikation anzuregen. In OVER AND OVER sind es Zäune und Abgrenzungen, die es zu überwinden gilt, wortwörtlich und symbolisch: Die Künstlerin zieht eine imaginäre Linie quer durch ihr Dorf, vom Bahnhof bis zu dem Haus ihrer Familie, und versucht alle Einwohner, deren Grundstück auf dieser Linie liegt (ca. 100 Parteien), davon zu überzeugen, ihr dabei zu helfen, diese Schwellen, die manchmal auch Häuser sind, zu überwinden, damit sie in einer direkten Linie durch das Dorf gehen kann.
Das Projekt verlief in mehreren Phasen: Zunächst wurde das Problem thematisiert, darauf folgte die Überzeugungsarbeit Šedás an den Beteiligten und schließlich die Dokumentation des gemeinschaftlichen Projekts. Die Dokumentation, bestehend aus Plänen, Zeichnungen, Modellen und erklärenden Texten, wird in den KW Institute for Contemporary Art gezeigt. Die Präsentation im Skulpturenpark Berlin_Zentrum dagegen ist eine weitere Phase des Projekts: Eine Auswahl der Zäune und Mauern von Líšeň wurde in kreisförmiger Anordnung nachgebaut und eine Gruppe von Ortsansässigen dazu eingeladen, nach Berlin zu kommen, die Hilfsmittel zur Überwindung dieser Zäune mitzubringen und sie vor Ort einzusetzen. So wird ein Teil von Líšeň nach Berlin gebracht: ein Schritt, die Gemeinschaft der kleinen Gemeinde zu stärken und das Zusammengehörigkeitsgefühl wieder zum Leben zu erwecken.
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