Pamela Rosenkranz
* 1979 in Altdorf (ch), lebt und arbeitet in Zürich (ch)

Im Widerstand gegen die Gegenwart
2008, Installation, 4 Paravents, Plexiglas, Nylon, Holz, Stoff, gespritzes Stahlblech, Magnete, Stecknadeln, Staub, Stativ, Haar, 240 x 240 cm

Die künstlerischen Arbeiten von Pamela Rosenkranz lassen sich am besten beschreiben als Eingriffe, die Verschiebungen der Raumwahrnehmung bewirken. Damit verbunden ist die Faszination für die Unendlichkeit der Zeit, eine Thematik, mit der sich die Künstlerin häufig auseinandersetzt. Schnitt, Spiegel und das Zusammenspiel von Präsenz und Leere sind Mittel, mit denen Rosenkranz diese Themen in ihren Installationen anschaulich macht. So auch in ihrem neuen Projekt für die 5. berlin biennale, Im Widerstand gegen die Gegenwart. Hierbei hat die Künstlerin die antike Figur des kairos inspiriert: die glückliche Fügung, der günstige Augenblick, ein Göttergeschenk, das man aktiv wahrnehmen muss.
Rosenkranz’ Installation besteht aus vier über Eck stehenden Paravents und einer Perücke auf einem Messing-Stativ, die aus Haaren der Künstlerin gefertigt ist. Die Gestaltung der Paravents zielt darauf ab, den Blick zu verunschärfen, die Wahrnehmung zu verwirren und die Parameter des Ausstellungskontexts, der Neuen Nationalgalerie, zu verschieben. Sich überlagernde Nylonstoffe erzeugen einen Moiré-Effekt und ziehen infolge elektrostatischer Aufladung Staub an, dunkle Plexiglas-Oberflächen spiegeln ihre Umgebung. Zudem sind auf den weißen Flächen der Raumteiler mit kleinen Magneten clusterartige Zeichnungen aus kleinen metallenen Stecknadeln aufgebracht. So entsteht ein Ensemble aus Komponenten, bei deren physi(kali)scher (An-)Ordnung der Zufall eine große Rolle spielt.
Die Situierung der türgroßen Paravent-Elemente erzeugt eine unheimliche Doppelung in Mies van der Rohes symmetrisch perfektem Gebäude. Rosenkranz’ Raum-im-Ausstellungsraum eröffnet ein unbestimmtes, betrachterabhängiges Dazwischen, in dessen Mittelpunkt stellvertretend für einen fehlenden Protagonisten das Perückenstativ steht. Wie in der antiken Tragödie verdichtet sich hier der Impuls im Nu zu jenem Aspekt, dem Rosenkranz’ Interesse gilt: der flüchtige Augenblick, in dem die Komplexität der Umwelt zu einem Moment intensivierter subjektiver Wahrnehmung gerinnt.