Paola Pivi
* 1971 Mailand (it), lebt und arbeitet in Anchorage, Alaska (us)

If you like it, thank you. If you don’t like it, I am sorry. Enjoy anyway
2007, Aluminium, Glasfaser, Glitzersteine, 520 × 1427 × 27 cm

Paola Pivis Kunstwerke können am besten als inszenierte Akte ästhetischer Gewalt beschrieben werden. Das Glamouröse mit dem Alltäglichen, Natur mit Kultur verbindend, spricht sie ihre eigene Sprache mit der leisen Überzeugung eines Kindes, das übernatürliche Kräfte besitzt. Ihr If you like it, thank you. If you don’t like it, I am sorry. Enjoy anyway ist abstoßend und anziehend zugleich. Beim Betreten der Neuen Nationalgalerie ist der Besucher sofort mit der monumentalen Gitterstruktur konfrontiert. Die Künstlerin positioniert die über fünf Meter hohe und gut vierzehn Meter breite Skulptur in der Ausstellungshalle parallel zur Glasfassade zentral im Innenraum. Dabei stellt sie eine paradoxe Aufgabe: Die Skulptur gibt den Blick frei und verstellt ihn sogleich wieder, fordert den Betrachter auf, durch sie hindurch wie in einem Bildschirm die Ausstellung zu betrachten, um ihn gleich darauf an sich vorbei in den Raum zu leiten. Mit Tausenden von bunten Glitzersteinen besetzt, oszilliert das Werk zwischen der flachen Oberfläche einer Malerei und dem Volumen einer Skulptur. Die offene Gitterstruktur ist von angedeuteten Kreuzen durchzogen, um an anderer Stelle jäh in dolchartige Spitzen auszulaufen. Überhöhte Ästhetisierung trifft auf das Gefühl von latenter Gewalt. Durch eine Kombination des faux der falschen Steine mit der Strenge des Gitternetzes entsteht eine subtile Spannung zwischen Minimalismus und Alltagsmaterial, Abstraktion und Kitsch. Wie bei vielen anderen Kunstwerken Pivis handelt es sich auch hier nicht um eindeutige Narration. Nach einem kurzen Moment der Überraschung führt die Skulptur den Betrachter in eine bizarre, extravagante Welt, in der, wie in zweien ihrer früheren Arbeiten, etwa ein Leopard frei in einer Kunstinstitution herumstreunt oder eine Hundertschaft Chinesen sich in einen Kunstmessestand quetscht; oder, wie hier, eine mit Strass besetzte Struktur wie Unkraut aus dem unberührten Boden eines Gebäudes von Mies van der Rohe wächst. Wenn Sie es verstehen, dann wird sie es Ihnen danken, wenn nicht, dann wird sie Ihnen vermutlich empfehlen, sich wenigstens darüber zu amüsieren.