|
Giulia Piscitelli * 1965 in Neapel (it), lebt und arbeitet in Neapel Tigre in Gaiola 2002, Fotografie, Lambda-Druck auf Aluminium aufgezogen, 90 x 90 cm La mela 2004, Fotografie, Lambda-Druck auf Forex aufgezogen, 90 x 110 cm Artissima 1995, Fotografie, Lambda-Druck auf Forex aufgezogen, 30 x 40 cm Ape 2004, Verschiedene Materialien, 9,5 x 19,5 x 12 cm Untitled ’89 1989, Video, 3 Min., Farbe, Ton Unter den Linden 2008, Video, 11 Min., Farbe, Ton Giulia Piscitellis Interesse geht über das Menschliche in all seiner Komplexität, Zerbrechlichkeit und Absurdität hinaus. Ihre Arbeiten beinhalten ein sehr persönliches Element, das häufig besondere, jedoch vernachlässigte Aspekte eines Menschen offenbart. Damit werden sie zu universalen Illustrationen und Beobachtungen dessen, was Menschen tun, was sie sind und was sie hinter sich lassen. In dem Video Untitled ’89 (1989) wird man Zeuge der Waschung eines Totenschädels. Das Szenario wird durch den unscharfen Bildausschnitt, wechselnde Kameraeinstellungen und gedämpfte Beleuchtung verunklart. Assoziationen an ein Memento mori oder ein religiöses Ritual stellen sich ein – auch wenn die Reinigungszeremonie in der Badewanne der Künstlerin stattfindet wie eine alltägliche Handlung, bei der die Spur eines Menschen als etwas Vertrautes begriffen wird. Zugleich haftet der Szene etwas Eigentümliches an, und dies verweist auf den für Piscitellis Gesamtwerk charakteristischen Witz. Ihre Fotoarbeit Tigre in Gaiola (2002) zeigt eine Szene mit schlafendem »Tiger« auf einer Wiese bei La Gaiola, während im Hintergrund der Golf von Neapel zu sehen ist. Der Tiger aber ist kein Tiger, sondern die eine Tigermaske tragende Künstlerin selbst. Die »reale« Figur als Bruch in einer verzauberten Landschaft: eine Szene wie aus einem inszenierten Märchen, wäre sie nicht das perfekte Beispiel dafür, wie Piscitelli in ihren Foto- und Videoarbeiten abgestumpfte Empfindsamkeiten strapaziert durch einen Blick auf die Welt, der gleichzeitig rührend einfach und entwaffnend befremdlich ist. Für ihren neuen Film Unter den Linden (2008) dokumentierte Piscitelli während eines kurzen Aufenthalts in Berlin Begegnungen, die Licht auf unerhörte Alltagsgeschichten werfen. Das Video zeigt eine einsame, durchnässte »einbeinige« Ente, die in einem Park in einer Pfütze steht. Statt des erwarteten Plätscherns hört man zwei Betrunkene einander beschimpfen. Die Szenen wirken unverbunden und absurd, dennoch existieren sie und stehen für einen – wenn auch unbedeutenden – Lebensaspekt. Piscitelli bewahrt sich ihren scharfen Sinn für Situationen, die den aufblitzenden Zauber und die Grausamkeit des Alltäglichen in sich fassen. |