Nashashibi/Skaer
Rosalind Nashashibi, * 1973 in Croydon (gb), lebt und arbeitet in London (gb)
Lucy Skaer, * 1975 in Cambridge (gb), lebt und arbeitet in Glasgow (gb) und Basel (ch)

Pygmalion
2008, Installation, 16-mm-Film, Farbe, ohne Ton, Loop; Tische, Terrakotta Skulpturen, Fotografien; Vorhang, 8 x 10 m; Plexiglas-Bodenarbeit, 4 x 5 m /  Größe variabel

Die Künstlerinnen Rosalind Nashashibi und Lucy Skaer arbeiten parallel zu ihrem individuellen Schaffen seit 2005 gelegentlich zusammen. Dabei widmen sie sich Prozessen der Transformation von Leben und historischen Kunstwerken und decken eine Welt auf, in der scheinbar vertraute Objekte und Verhaltensweisen als Teil eines tief in ihrer Geschichte verwurzelten Systems erscheinen.
Bisher haben sie zwei Filme realisiert: Ambassador (2004) und Flash in the Metropolitan (2006). In Letzterem, aufgenommen nachts im New Yorker Metropolitan Museum, werden Museumsstücke aus Ozeanien, Afrika und dem Nahen Osten sowie griechisch-römische und mittelalterliche Exponate Stroboskop-Blitzen ausgesetzt. Die durch das Dunkel zuckenden Lichtblitze scheinen die Artefakte aus ihrem erstarrten Ausstellungsdasein zu befreien und in ihrer ursprünglichen Magie zu reanimieren.
In der Beseelung und Verlebendigung des Leblosen liegt auch das Charakteristische der Installation von Nashashibi/Skaer für die Neue Nationalgalerie. Die Arbeit basiert auf dem antiken Mythos vom Bildhauer Pygmalion, unter dessen schöpferischen Händen eine Skulptur nach und nach lebendig wird. Vor diesem Hintergrund beziehen die Künstlerinnen eine von dem attischen Vasenmaler Exekias bemalte Tafel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. in die Arbeit mit ein. Es zeigt einen Trauerzug mit Pferden und eine Gruppe von Menschen, die eine hochgestellte weibliche Person zu Grabe trägt. Die ursprünglich gemalten Pferdebeine werden in einem Spiel mit Oberflächen und Ebenen und der Distanz zwischen Original und Reproduktion durch einen dreidimensionalen Abguss dargestellt, während sich auf dem Boden die Trauerszene um ein Vielfaches vergrößert als Mosaik aus farbigem Plexiglas ausbreitet. Ein weiteres Element ist ein 16-mm-Film, den die Künstlerinnen in der von Henri Matisse gestalteten Chapelle du Rosaire in Vence neu gedreht haben und der zeigt, wie ein Priester vor einem Spiegel ein ebenfalls von Matisse entworfenes liturgisches Gewand anzieht und somit aus dem Kunstwerk ein Gebrauchsgegenstand wird. In Pygmalion kombinieren und manipulieren Nashashibi/Skaer moderne und antike Artefakte, die ursprünglich für zeremonielle Zwecke oder den Alltagsgebrauch geschaffen wurden, und geben ihnen so auf neuer Ebene Sinn, Zweck und Bedeutung zurück.