Janette Laverrière
* 1909 in der Schweiz, lebt und arbeitet in Paris (fr)

Nairy Baghramian
* 1971 in Isfahan (ir), lebt und arbeitet in Berlin (de)

Janette Laverrière
Ausstellung konzipiert in Zusammenarbeit mit Nairy Baghramian
20. März – 6. April 2008
Spiegel und Bücherregale von Janette Laverrière

Die Designerin Janette Laverrière produziert bereits seit 1936 Spiegelobjekte, deren allegorische Dimension zum Teil weit über ihrem Gebrauchswert steht, ohne dass sie sich dabei jedoch völlig von ihrer Funktion verabschiedeten. Dies trifft vor allem auf die jüngeren Arbeiten zu, die die Künstlerin im Gegensatz zu beinahe allen früheren ohne konkreten Auftrag und damit ohne externe Vorgaben produziert hat. Der Funktionswert dieser Spiegel ist gering und tritt gegenüber einem für den Großteil des zeitgenössischen Designs untypischen Beziehungs- und Verweisreichtum in den Hintergrund. Jungle (2003) etwa besteht aus einem Spiegel, der eigentlich viel zu klein ist, als dass man sich darin betrachten könnte, aber in einen übergroßen Rahmen gefasst ist. Oft verwendet Laverrière für ihre Objekte Bezugspunkte aus der Literatur, so bei Sourire (2001), dessen Form auf den breiten lachenden Mund der »Grinsekatze« aus Lewis Carrolls Alice im Wunderland verweist, während bei Cocteau (1989) auf der Innenseite des aufklappbaren Deckels ein Zitat des gleichnamigen Autors angebracht ist. Aufgrund des Deckels und der literarischen Referenz erinnert diese Arbeit zugleich an ein Buch und an ein Amulett. Auf ähnliche Weise sind viele von Laverrières Arbeiten als Hommage konzipiert, beispielsweise La Commune, hommage à Louise Michel (2001), die mit ihren Einschusslöchern in der aufklappbaren Blende an die blutigen Aufstände um die Pariser Kommune von 1871 und eine ihrer Schlüsselfiguren, die Anarchistin und Feministin Louise Michel, erinnert. Im Rahmen der 5. berlin biennale werden Laverrières Spiegel im Schinkel Pavillon an der Außenseite eines von Laverrière und Nairy Baghramian konzipierten Ausstellungseinbaus präsentiert, in dessen Innerem sich eine Regalkonstruktion mit einer kleinen Bibliothek befindet. Die große Bedeutung der literarischen Verweise wird schon im Ausstellungsdesign betont, während die Hängung der Spiegel an der Außenseite deren Charakter als »Interior-Design« hinterfragt.