Luciana Lamothe
* 1975 in Mercedes (ar), lebt und arbeitet in Buenos Aires (ar)

Steelkill
2008, Plakatwand auf Stahlgerüst, 700 x 650 cm

Luciana Lamothes Arbeiten kreisen beständig um die Dialektik von Aufbau und Zerstörung – eine Dialektik, die sie im Spannungsfeld von Architektur und öffentlichem Raum artikuliert. Architektur begreift sie als Indikator und Mittel einer Strukturierung der Gesellschaft. Ihre mal skulpturalen, mal performativen Eingriffe, die auf die Transformationen und Brüche in dieser Struktur zielen, lassen sich immer auch als Statements zur Prekarität von sozialer Ordnungsbildung lesen.
Steelkill, Lamothes Beitrag zur 5. berlin biennale, beschäftigt sich mit dem Rückbau des Palasts der Republik im Herzen Berlins, einst Ausdruck des Selbstbewusstseins und der Selbstdarstellung der DDR. Die Künstlerin hat im Skulpturenpark Berlin_Zentrum eine sieben Meter breite und über fünf Meter hohe »Werbetafel« errichtet – ein Stahlgerüst mit beklebbarer Vorderseite, auf dessen unterer Hälfte eine Fotografie des im Abbruch befindlichen Gebäudes zu sehen ist, dessen Stahlgerippe in den Himmel ragt. Auf die obere Hälfte dagegen hat sie das Graffiti »Planning to Cut« angebracht . Darüber hinaus hat Lamothe die Tafel in der Mitte horizontal »auseinandergesägt«, so dass ein klaffender Spalt entstand: Die massive Stahlkonstruktion, die die Werbetafel trägt und in ihrer Beschaffenheit an das Skelett des ehemaligen sozialistischen »Prachtbaus« erinnert, wird sichtbar gemacht. Es zerreißt hier nicht nur das Bild, sondern auch sein Träger, zerstört wird nicht nur ein asbestverseuchter Bau, sondern auch das architektonisch-symbolische Gefüge der Stadt: ein städtebaulicher Eingriff im Zeichen politisch gewollten Stadtmarketings – auch darauf weist Lamothes Werbetafel hin – mit Auswirkungen in der Tiefendimension der sozialen Ordnung. Letztlich stellt Lamothe zwei Formen der Transformation einander gegenüber und vermischt sie: reversiblen Abbau und irreversible Zerstörung. Die Displayfläche ihrer Werbetafel kann neu beklebt werden, der tiefe Schnitt in das Stahlgerüst selbst dagegen evoziert die Endgültigkeit der Zerstörung, worauf auch das Graffiti anspielt.