Gabriel Kuri
* 1970 in Mexiko-Stadt, lebt und arbeitet in Mexiko-Stadt und Brüssel (be)

items in care of items
2008, 4 Skulpturen, bemaltes Metall, Nummernsystem, beliebige Gegenstände, Größe variabel

Ausgeblichene Tintenspuren auf Einkaufsquittungen, flachgepresste Cola-Dosen oder die unregelmäßigen Konturen von benutztem Kaugummi: Es sind die zufällig entstehenden Formen von Alltagsgegenständen, die das Œuvre von Gabriel Kuri bestimmen. Die  mehr als bloß formalen Objekte zeugen von der Bedeutung des Zufalls, dem Vergehen der Zeit und der Abtretung von Kontrolle als Kern seines Werks. Kuris Projekte sind häufig Versuchsanordungen, die die Prozesshaftigkeit verschiedener Abläufe und scheinbarer Zustände messen und verdeutlichen. Viele seiner Arbeiten befinden sich während der Laufzeit von Ausstellungen in einem konstanten Transformationsprozess. Erst durch die gewollte oder ungewollte Beteiligung anderer entfalten sie ihre skulpturale Dimension, wobei der Künstler die Rahmenbedingungen vorgibt.
items in care of items, eine mehrteilige ortsspezifische Skulptur für die Neue Nationalgalerie, wurde von Kuri als temporäre Ablagefläche für Mäntel, Taschen und sperrige Gegenstände gestaltet. Die Fokussierung auf ein infrastrukturelles Element eines Ausstellungshauses, das in speziell dafür vorgesehenen Zonen organisiert ist, versetzt dieses aus seiner Randlage in den Mittelpunkt des Interesses. Form und Materialität der Skulptur verweisen auf die Gestaltungsprinzipien von Mies van der Rohes modernistischem Meilenstein, allerdings wird ihre Erscheinung wesentlich durch die Besucher bestimmt: Sie aktivieren die Arbeit, indem sie sie als Ablage »missbrauchen«. items in care of items funktioniert parallel auf zwei verschiedenen zeitlichen Ebenen: Einerseits während der gesamten Ausstellungslaufzeit präsent, ist die schlussendliche Materialisierung an die jeweilige Dauer des Zugeständnisses der Ausstellungsbesucher geknüpft, ihre persönlichen Gegenstände dem Kunstwerk zu überlassen. Kuris ständig in Veränderung begriffene kollektive Skulptur erschüttert festgefahrene Vorstellungen von der Unveränderlichkeit eines Kunstwerks wie auch vom »korrekten« Gebrauch des Mies’schen Tempels der Moderne.