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Daniel Knorr * 1968 in Bukarest (ro), lebt und arbeitet in Berlin (de) Nationalgalerie 2008, 58 Fahnen, Stoff, Metall, je 360 x 280 cm Daniel Knorrs Arbeiten stellen heimliche Angriffe auf die Gründungsmythen unserer Gesellschaft dar. Seine künstlerische Strategie kombiniert konzeptionelle Methoden der Aneignung von vorhandenem kulturellem Material mit einer situationistischen Ironie des détournement. Zunächst Misstrauen, später auch durchaus Ablehnung hervorrufend, entstehen seine Werke erst im Akt der Wahrnehmung, der Diskussion und Mediatisierung. So ließ Knorr bei European Influenza, seinem Beitrag im rumänischen Pavillon der 51. Biennale von Venedig (2005), den Raum vollkommen leer, und das Werk materialisierte sich erst in den Reaktionen der Besucher und Rezensenten in Zeitschriften, Blogs und Foren. Mit der abschließenden umfangreichen Publikation analysierte Knorr den Gegensatz zwischen dem leeren Raum und dessen Konkretisierung im folgenden Diskurs. Einzig die Wörter »Europa« und »Influenza« im Titel fungierten dabei als multiplizierende Vermittler. Für die 5. berlin biennale hat Knorr ein Kunstwerk konzipiert, das sich mit dem Nationalbegriff, seiner Entstehung, Kodifizierung und seinem fortwährenden Einfluss auf die heutige Gesellschaft auseinandersetzt. Indem er die Fahnen der 59 in Berlin ansässigen Studentenverbindungen mit ihren abstrakten Farbcodes am Dachsims der Neuen Nationalgalerie aufhängt, verpackt er ein Gebäude neu, das sich stets jeglicher ideologischen Bestimmung verweigert hat. Leise weist Knorr in diesem Prozess auf die politischen Resonanzräume scheinbar noch der abstraktesten Formen, wie Farbblöcke oder minimalistische Quadrate, hin. Als Inspirationsquellen dienten ihm historische Werke aus der Sammlung der Neuen Nationalgalerie – wie etwa das eindeutig politische Stützen der Gesellschaft (1926) von Georg Grosz ebenso wie das scheinbar neutrale Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue? IV (1969/70) von Barnett Newman. Museen und ihre Sammlungen werden gegründet, damit sie die Zeiten überdauern. Doch wenn ihre gewohnte Syntax zersplittert, entstehen neue Bedeutungen. »Wer hat Angst vor Rot?« kann letzten Endes auch eine politische Frage sein. |