Sung Hwan Kim
* 1975 in Seoul (kr), lebt und arbeitet in New York (us)

Summer Days in Keijo – written in 1937
2007, Videoinstallation, 16-mm-Film übertragen auf DVD, 17 Min., Farbe, Ton (musikalische Zusammenarbeit mit dogr)

Die Stadt Seoul wurde im 20. Jahrhundert wiederholt zerstört, umgesiedelt und wieder aufgebaut. In der Videoarbeit Summer Days in Keijo – written in 1937 begibt sich Sung Hwan Kim auf die Suche nach Orten, die der schwedische Zoologe und Forschungsreisende Stem Bergman 1937 in seinem Buch In Korean Wilds and Villages beschrieben hat. Doch siebzig Jahre später kann Seoul, das unter japanischer Kolonialherrschaft Keijo hieß, nicht mehr mit dem Text in Deckung gebracht werden, so Kim: »Bergman hat nichts von dem beschrieben, was ich heute sehe.«
Wie auch in anderen Videoarbeiten experimentiert Kim mit den formalen Möglichkeiten des Filmemachens, wobei er lineare Narration vermeidet. Seine konzeptuellen Entscheidungen weichen von Konventionen des Dokumentarischen ab, selbst wenn sie sich auf diese beziehen. Er formuliert eine intim-lakonische Sprache von Bild und Ton, um abstrakte Verhältnisse zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Identitäten und Orten, Erzählung und Realität zu hinterfragen. Indem er unterschiedliche Filmmaterialien für Innen- und Außenaufnahmen verwendet, führt Kim eine visuelle Metapher für die zwischen Bergman, der Hauptdarstellerin und dem Künstler wechselnden subjektiven Blicke ein. Aus seinen früheren Videos bekannte rhetorische Formen, wie Frage-Antwort-Szenarien, dienen der Inszenierung eines inneren Monologs. Kim lässt viele Stimmen sprechen: Die Tonspur beginnt als Ich-Erzählung der Hauptdarstellerin, um dann gelegentlich in poetische elektronische Songs des Musikers David Michael DiGregorio (aka dogr) überzugehen, dessen Stimme in der Erzählung umhergeistert.
Das Video endet mit der Anfangseinstellung: Ein Kreis wird beschrieben, der sich auf die Tanzszenen und das Kreisen der Hauptfigur durch das überdimensionierte Treppenhaus eines Abrissgebäudes bezieht. Dieses Kreisen deutet auf die Vergeblichkeit der Suche hin, verweist aber auch metaphorisch auf die zyklische Geschichte der Stadt Keijo, deren Mythen über Zerstörung und Wiedererrichtung die Grundfeste sind, auf denen Kim baut.