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Patricia Esquivias * 1979 in Caracas (ve), lebt und arbeitet in New York (us) Folklore #1 2006, Videoinstallation, DVD, 12 Min., Farbe, Ton Folklore #2 2008, Videoinstallation, DVD, 14 Min., Farbe, Ton Patricia Esquivias ist eine Geschichtenerzählerin. Ihre künstlerische Praxis formt ein überschaubares, aber intensives und inhaltlich komplexes Œuvre textbasierter filmischer Arbeiten. Laut Esquivias ist Video das einzig adäquate Medium für eine zufriedenstellende Umsetzung ihrer künstlerischen Aussagen. Selbstkritisch beschreibt sie ihre eigene Arbeitsweise als überaus langsam, wobei gerade eine bewusste Auseinandersetzung und konzeptuelle Präzision ausschlaggebend ist für die Komplexität ihrer Arbeit. Stets ist es die Künstlerin selbst, die den Text – sehr ausgefeilt und immer auf das Wesentlichste reduziert – auf natürliche und unprätentiöse Art und Weise vorträgt, kontrastiert und ergänzt von Bildvorlagen, die sie aus dem Internet, aus Büchern und ihrem persönlichen Archiv auswählt. Der inhaltlich perfekten Konzeption ordnet sich eine intuitiv-improvisierende, aber immer auch zweckgebundene Kameraführung unter. Scheinbar banale Details ebnen in Esquivias’ filmischen Arbeiten einen Zugang zu weitaus abstrakteren Themen. Folklore #1 und Folklore #2 sind subjektive Unterrichtsstunden in Oral History. Nicht nur die offizielle spanische Geschichtsschreibung, auch das kollektive Gedächtnis des Landes wird hier illustriert. Geschichte zu machen und zu schreiben wird von der Künstlerin als kontinuierliche und partizipatorische Handlung begriffen, zugleich deckt sie neue und versteckte Beziehungen zwischen scheinbar sehr unterschiedlichen Ereignissen und Geschehnissen auf. So verknüpft die Künstlerin in Folklore #1 die Karriere des Franco-Protegés Jesus Gil mit der Popularität von Raves in Valencia in den Jahren nach dem Tod Francos (1975). In Folklore #2 beleuchtet Esquivias Zusammenhänge von Sonnenschein und spanischer Identität und wie diese im Katholizismus, der Tourismusindustrie und der Kolonialisierung Nord- und Südamerikas Niederschlag fanden; entsprechend setzt sie König Phillip II (1527–1598) und den Popsänger Julio Iglesias in unerwartete Beziehung zueinander. |