Haris Epaminonda
* 1980 in Nicosia (cy), lebt und arbeitet in Berlin (de)

Untitled
2007/2008, Installation, Serien aus Collagen und anderen Arbeiten, Papier, verschiedene Materialien, Maße variabel

Haris Epaminonda und Daniel Gustav Cramer:
Untitled
2007/2008, Bücher, Maße variabel

Haris Epaminondas Filme, Bücher und Collagen bedienen sich der Technik von Schnitt und Naht – sowohl im tatsächlichen Herstellungsprozess wie auch metaphorisch. Die Künstlerin eröffnet die Formen und Bedeutungen vorgefundener Bilder und Objekte und verfugt sie neu. Bei ihren in der Neuen Nationalgalerie gezeigten Collagen wandern Schnitt und Naht mehr und mehr in das einzelne Bild selbst. Epaminondas Eingriffe resultieren dabei in wenigen geometrischen Abstraktionen und orientieren sich an den Kompositionsstrukturen und dem Formenrepertoire des jeweiligen Bildes. Dabei verschränken sich Vorder- und Hintergrund auf verwirrende Weise: Was wie eine farbige Linie auf dem Bild erscheint, entpuppt sich bald als Schnitt, der den Blick auf eine Schicht farbigen Papiers freigibt. Paradoxerweise fügt die Künstlerin dem Bild so gerade durch das Entfernen etwas Neues hinzu.
Die in Vitrinen präsentierten Buchobjekte, realisiert von Epaminonda und Daniel Gustav Cramer, sind jeweils entstanden, indem die Bindung existierender Bücher entfernt wurde und die herausgelösten Seiten anschließend zu neuen Büchern gebunden wurden. Einige dieser Blattreihen sind über ein drittes Element lose verbunden: Aus ihnen abstrahierte geometrische Formen wurden am Computer editiert und anschließend über die Original-Bilder gedruckt. Die einzelnen Bildarsenale treten in Beziehung, öffnen sich, und die ihrer thematischen Organisation entbundenen losen Seiten können sich potenziell unendlich zu neuen Büchern, zu einer Bibliothek jenseits herkömmlicher Kategorisierungen verbinden. Die Arbeiten Epaminondas werden in einem installativen Environment präsentiert, einem Raum im Raum in Form eines Glaskastens, der zudem weitere vorgefundene Objekte beinhaltet, etwa alte afrikanische Statuen, Kakteen und ein Goldfischglas. Die Glasbauweise spiegelt dabei zum einen die Architektur der Neuen Nationalgalerie wider, zum anderen das Goldfischglas und die Vitrinen. Über das Display-Design setzt sich so das kombinatorische Spiel von Epaminondas einzelnen Arbeiten in den Raum hinein fort.