Aleana Egan
* 1979 in Dublin (ir), lebt und arbeitet in Dublin und Berlin (de)

ended casually in the water
2008, Karton, Acryl, Lack, Deco-Fill, Stoff, Klebeband, ca. 1800 x 240 x 8 cm
(Neue Nationalgalerie)

Grey luminous light from the sea (A Structure for Readings)

2008, Stahl, Farbe, 274 x 162 x 3 cm
(Skulpturenpark Berlin_Zentrum)

Im Mittelpunkt von Aleana Egans Arbeiten steht eine aufmerksame, kunsthandwerkliche Nähe zu ihren Materialien und Protagonisten. Ein Fluss persönlicher Eindrücke, die sich Alltagsbeobachtungen, literarischen Einflüssen und zwischenmenschlichen Beziehungen verdanken, bildet dabei die häufigste Materialquelle. In jedem Fall aber hallt in ihrem Werk der Drang nach, die spontanen Empfindungen des Einzelnen zu erhaschen und sie in einfache Strukturen aus bloßen Worten, Karton, Gouache, Holz, Farbe, Metall oder Fotos zu pressen. Obgleich Egans abstrakte räumliche Formen feierlich-ernsten Gebilden ähneln, evozieren sie auf fast synästhetische Art und Weise, indem Farben oder Formen als sinnesübergreifende Metaphern fungieren, Personen, Erinnerungen oder Stimmungen, auf die wiederum häufig im jeweiligen Titel verwiesen wird.
Für ihre Arbeit ended casually in the water hat Egan ein zartes, graziles Hängegebilde geschaffen, das die zwei mit Onyx verkleideten Pfeiler miteinander verbindet, von denen die Lüftungskanäle der Neuen Nationalgalerie verdeckt werden. Im Gegensatz zum einschüchternden Metallraster der Gebäudedecke scheint sich Egans fragile gekrümmte Form zwischen den Aufhängungspunkten rhythmisch zu senken und zu heben. Die Arbeit bildet einen ruhigen, fast zärtlichen, wenn auch akribischen Kommentar zur gitterartigen Geometrie der gläsernen Halle, wobei die Bewegung ihrer helltürkisfarbenen waagerechten Linie eine leichte Verspieltheit vermittelt und – ebenso wie ihr einem Roman von Iris Murdoch entlehnter Titel – Assoziationen von Klang- oder Meereswellen heraufbeschwört. Diese Skulptur, die als stille und auf eigensinnige Weise konkrete Negativdefinition von Raum im Raum schwebt oder hängt, verschwindet zuweilen angesichts der ausgesprochenen Immaterialität des Mies’schen Raumes. Egans bandförmige Studie, die beiläufig den architektonischen Raum durchbricht, als bestände sie aus Wasser, hält die Balance zwischen Skizze, Malerei und Skulptur.

Für die als work in progress konzipierte Arbeit Grey luminous light from the sea (A Structure for Readings) besuchte Egan im Herbst und ein zweites Mal im Winter 2007/08 das Gelände des Skulpturenpark Berlin_Zentrum, beobachtete dabei insbesondere dessen Umgebung und dokumentierte den Patinierungsprozess einer einfachen Metallkonstruktion mit dem Titel Silent Tree (2007), die sie an jenem Ort versteckt hatte. Durch die Kombination von Formelementen einfacher, funktionaler Fischerhütten mit denen dekorativer viktorianischer Konzertpavillons aus der Gegend um ihren Geburtsort Dublin schuf Egan eine Silhouette, die grob an einen Pavillon erinnert. Durch das simple Metallskelett allerdings ist das Gebilde buchstäblich seiner klassischen Funktion als Gartenhäuschen entblößt und bietet keinen Schutz gegenüber der Außenwelt. Die Konstruktionslinien, die vage ein Gelände definieren, das diesen Namen nicht unbedingt verdient, berühren kaum den von jenem Bau eingenommenen Raum. Tritt man in Egans Konstruktion ein, so bietet sich dem Publikum ein zweiter wesentlicher Eindruck, nämlich der des Eintauchens in die Landschaft anstelle ihrer Abtrennung, während das bloße Skelett die Überholtheit des Grundes widerspiegelt, auf dem dieser Bau steht.