|
Jos De Gruyter * 1965 in Geel (be), lebt und arbeitet in Brüssel (be) Harald Thys * 1966 in Wilrijk (be), lebt und arbeitet in Brüssel (be) Die Fregatte 2008, Video übertragen auf HD, ca. 20 Min., Farbe, Ton, Loop Seit fast zwanzig Jahren arbeiten Jos De Gruyter & Harald Thys kollaborativ zusammen. Entstanden ist ein eigenwilliges Korpus aus Videos und Filmen, die überwiegend von einem düsteren Unterton geprägt sind und in denen sich Inszenierungen entwickeln, die nicht so sehr einem Handlungsstrang folgen als vielmehr zutiefst Menschliches ansprechen. Indem sie in ihren Filmen dramatische, surreale Situationen heraufbeschwören und grundlegende Gefühle und Verhaltensweisen mit absurden Elementen kombinieren, betreiben De Gruyter & Thys eine Exploration des Existenziellen. Dabei dient regelmäßig die gehinderte oder misslingende Kommunikation zwischen den Protagonisten – die grunzen, deuten oder eigenartig sprechen, sich jedoch niemals ungezwungen und klar artikulieren – als Metapher für die Entfremdung zwischen Individuen in der heutigen Gesellschaft. Die Inspirationsquellen der Künstler reichen von der formalen Rigidität der Filme Pasolinis über den glasigen Blick von Psychiatriepatienten bis hin zu der Verlegenheit der Familienmitglieder und Laienschauspieler, die De Gruyter & Thys regelmäßig verpflichten. Die daraus entstehenden Filme sind ein befremdliches und gelegentlich makabres absurdes Theater, in dem neben realen Personen auch selbstgebaute Puppen, Roboter oder Knetfiguren die Hauptrollen spielen. In ihrer jüngsten Arbeit Die Fregatte kommen Laiendarstellern einer flämischen Theatergruppe und ihren behelfsmäßigen Sets wichtige Rollen zu. Die Personen werden von einer zentral positionierten düsteren Fregatte, einem Kriegsschiff, angezogen. Sie beobachten sich gegenseitig, eine gereizte Stimmung liegt in der Luft. Unvermittelt werden die reduzierten Bewegungen und Blicke der Beteiligten von Aufnahmen der kargen flämischen Landschaft unterbrochen. Im Zentrum dieser auf die grundlegendsten Gruppendynamiken reduzierten Situation steht das Schiff als mystisch-transzendentales Objekt menschlicher Begierde. Als existierte es außerhalb von Zeit und Raum, dominiert es die Szene und steht im Mittelpunkt der gespannten Aufmerksamkeit. In ihrem Film präsentieren De Gruyter & Thys einen eigenen, von der Alltagsrealität abgekoppelten Kosmos und illustrieren damit die Ambivalenz von Grundmustern menschlichen Verhaltens. |