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Thea Djordjadze
* 1971 in Tiflis (ge), lebt und arbeitet in Düsseldorf (de)
Taubstummes Universum (Arbeitstitel)
2008, Installation, verschiedene Materialien, Größe variabel
Falte b (groß) (Arbeitstitel)
2008, Metall, Zement, 250 x 250 x 250 cm
Es ist, als habe Thea Djordjadze eine ihrer Skizzen zu einem luftigen Linien-Gehäuse transformiert und inmitten der Ausstellungshalle der Neuen Nationalgalerie platziert. Als Reaktion auf die exakte Symmetrie und die gläserne Minimalistik des Gebäudes schafft sie einen häuslich wirkenden Innenraum und widersetzt sich mit der organisch-geschwungenen Struktur der dominierenden Quadratur aus Glasfront, Kassettendecke und Granitplatten.
Djordjadzes Kunstwerke zeugen häufig von ihrem Interesse an Literatur, Musik und Kunstgeschichte. Angeregt durch das Werk des österreichisch-amerikanischen Architekten, Designers und Künstlers Friedrich Kiesler, der etwa die berühmte Ausstellungsgestaltung für Peggy Guggenheims New Yorker Galerie The Art of This Century entwarf, interessiert sich Djordjadze insbesondere für seine Idee der unendlichen Linie. In seinem Projekt The Endless House trafen sich alle Punkte wieder, es sollte keinen Anfang und kein Ende geben. Ähnlich wie seine Zeitgenossen Mies van der Rohe und Lilly Reich wollte Kiesler den Raum befreien – doch mit völlig anderen Ergebnissen, sah er ihn doch nur durch gekrümmte Oberflächen und sinnliche Formen realisiert.
Für ihr neues Projekt verwendet Djordjadze eine einfache architektonische Struktur, die gleichzeitig an die Privatheit von Wohnräumen und den inszenatorischen Charakter von Theaterbühnen erinnert, um den Blick auf eine Fülle kleiner Gipsskulpturen zu lenken. Diese vielen organischen Arbeiten geben Zeugnis von Djordjadzes intensiver Auseinandersetzung mit taktilen Formen. »Sie herrschen über mich und diktieren mir die Vorgehensweise«, beschreibt sie ihre Beziehung zu unterschiedlichen skulpturalen Materialien. Sie lässt das Experiment bis zur letzten Minute zu, so dass sich die Gipsformen erst im letzten Augenblick vollends herauskristallisieren. Djordjadzes eigene endlose Formen und Linien werden in ihrem Miniatur-Ausstellungsraum im Ausstellungsraum bewahrt: Dies ist ihr Entwurf eines poetischen Gegenraums zum Mies’schen Museum.
Transitorische Orte sind meist Punkte, an denen sich das Mysteriöse und Besondere vollzieht. In Peter Cornells Buch Paradisets vägar (Weg zum Paradies, 1987) fand Thea Djordjadze den Hinweis, dass die Surrealisten sich oft in den Durchgangsräumen von Passagen oder am Rande von Parkanlagen verabredeten, um ihre gemeinschaftlichen Ideenexperimente durchzuführen. Davon inspiriert, wählte sie einen Ort am äußersten Rande des Skulpturenpark Berlin_Zentrum aus, um dort ihre neue Skulptur Falte b (groß) zu platzieren. Sie steht mit ihrem skulpturalen Ensemble in der Neuen Nationalgalerie in Beziehung und ist dennoch konzeptionell anders, denn diese Skulptur ist den Elementen und der offenen Landschaft ausgesetzt. Die zwei Meter hohe enigmatische Gestalt aus Beton und Stahl beschäftigt sich mit Sprache und der Kluft zwischen Bedeutung und Form. Mit dem zweiten Buchstaben des georgischen Alphabets, bani, eignet sich die Künstlerin etwas Bekanntes an, um es zu etwas außerhalb des Verständlichen zu transformieren. Sie versieht die ursprünglich runde Gestalt, aus der ein Häkchen emporragt, mit scharfen Kanten, Knicken und Verschiebungen, damit verformt sie sie zu einem neuen Zeichen. »Wenn man in eine fremde Kultur kommt, deren Sprache man nicht spricht, und an einem Punkt zwischen Analphabetismus und Verstehen steht, dann achtet man viel mehr auf Mimik und Gestik. Man untersucht die Formen auf Inhalte. Wie weit geht dabei die Oberfläche?«, so die Künstlerin. Ihr Falte b (groß) entwickelt in seiner Materialität und physischen Präsenz eine eigene Symbolik aus bestehenden und erdachten Formen. Es ist dieses Wissen um das räumliche und linguistische »Dazwischensein«, was bereits die Surrealisten faszinierte und Djordjadze interessiert. Leise faltet sie ein monumentales b zu einem rätselhaften Wegweiser neuer Bedeutung.
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