|
Marc Camille Chaimowicz * 1947 in Paris (fr), lebt und arbeitet in London (gb) und Dijon (fr) For MvR 2008, Installation, bemalter Marmor und Granit, Acryl, bedruckter Stoff, Tusche, Papier, Größe variabel Die Ablehnung von Kategorisierungen ist ein wichtiges Merkmal von Chaimowiczs Arbeit, die sich zwischen Kunst und Kunsthandwerk, Persönlichem und Anonymem, Privatem und Öffentlichem, innen und außen bewegt. Chaimowicz weist vorgefertigte künstlerische Medien zurück und kombiniert Elemente aus der klassischen Kunst (Malerei, Collage, Fotografie) und dem Kunsthandwerk (Keramik, Tapete, Stoff) sowie Haushaltsgegenstände (Teppiche, Bildschirme, Möbel) und architektonische Elemente, um daraus Installationen mit ungewohntem Vokabular zu schaffen. Celebration?Realife (1972) war eine der ersten radikalen Antworten auf vorgeschriebene Codes oder Kategorien der Kunstwelt und stellte sich gegen die saubere, rationale Kunst des Minimalismus sowie gegen einen Großteil der künstlerischen Arbeiten der 1960er und 1970er Jahre, von der Body Art bis hin zur Konzeptkunst und dem damit verbundenen Diskurs. Mit seinen Projekten schlug der Künstler neue Wege ein und initiierte einen ausgeprägten Dialog zwischen dem Kunstwerk, seinem Standort und seinem Publikum. Chaimowiczs ortsspezifische Installation für die Neue Nationalgalerie kommuniziert ebenso mit ihrem Standort: Wie der Künstler sagt, »bekleidet« sie eine Ecke des modernistischen Glas- und Stahlbaus und »domestiziert« sie, um sie so in einen gemütlichen Raum zu verwandeln. Durch den Einsatz von handdekorierten Marmorplatten verbindet Chaimowicz sein Ensemble mit einem wichtigen Element des Gebäudes, den beiden riesigen mit Onyx verkleideten Lüftungsschächten. Ein Vorhang, der einen Teil der Glaswand verdeckt, reagiert auf Mies van der Rohes Konzept eines Museumsraumes, der durch seine Transparenz die Grenze zwischen innen und außen aufheben soll. Siebdrucke, die an dekorative Tapetenmuster des späten 19. Jahrhunderts erinnern, werden auf den Hängewänden angebracht, die der Architekt für die Eröffnungsausstellung von Piet Mondrian 1968 in der Neuen Nationalgalerie konzipierte. So erweist der Künstler dem Entwurf von Mies seine Reverenz, untergräbt jedoch dessen rationale Ästhetik und besteht darauf, dass das Museum eine andere Grenze einreißen sollte: die zwischen Kunst und Leben. |