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Nairy Baghramian * 1971 in Isfahan (ir), lebt und arbeitet in Berlin (de) La colonne cassée (1871) 2008, Metall, 340 × 140 × 170/180 cm Nairy Baghramian befasst sich in ihrer Arbeit mit der Formensprache des Designs und bezieht sich dabei auf die Minimal Art ebenso wie auf Randerscheinungen der klassischen Avantgarde. Ihre Skulpturen fokussieren die sozialen und politischen Konnotationen dieser Codes, deren Einund Ausschlussmechanismen, aber auch die an sie geknüpften emanzipatorischen Konzepte und die mitgeführten Utopien. Ihre Arbeit La colonne cassée (1871) an einer der Glaswände der Neuen Nationalgalerie nimmt Bezug auf La Commune, hommage à Louise Michel (2001), einen Spiegel der Designerin Janette Laverrière. Obwohl Laverrière beinahe das gesamte 20. Jahrhundert hindurch in Frankreich als Möbel- und Objektdesignerin aktiv war, wurde sie als Frau nie vollständig in den Kanon bekannter (vornehmlich männlicher) Designer aufgenommen. Baghramians Interesse gilt sowohl dieser Geschichte des Vergessens als auch Laverrières Ästhetik. In der neuen Skulptur der Künstlerin stehen sich zwei schwarz lackierte Metallplatten gegenüber, eine auf der Innen-, die andere auf der Außenseite der Neuen Nationalgalerie. Von Stahlblechquadern beschwert, stehen sie um neunzig Grad gebogen wie leicht federnde Standspiegel und fassen die durchsichtige Glasfassade ein. Auf diesen Platten verstreut angebrachte runde Öffnungen erinnern an die Einschusslöcher, die sich auch in Laverièrres La Commune, hommage à Louise Michel finden – eine Referenz an die blutigen Auseinandersetzungen um die Pariser Kommune im Mai 1871 und die damals formulierten revolutionären Gesellschaftsentwürfe. Da diese Öffnungen an der Innen- und der Außenseite leicht gegeneinander versetzt sind, ermöglichen sie keinen direkten Durchblick, sondern lenken die Aufmerksamkeit auf die Glasfassade. Thematisiert wird so die nur scheinbare Durchlässigkeit von Mies van der Rohes Museum, das das moderne Ideal der Transparenz in der Monumentalität des Baus versiegelt und dem Anschein zum Trotz nicht einlöst. Baghramians Beitrag ist in ihrem Bezug auf die Arbeit Laverrières zunächst eine vom feministischen Standpunkt aus formulierte Kritik an den Exklusionsmechanismen der Moderne. Darüber hinaus funktioniert La colonne cassée (1871) aber auch als dekonstruktive Öffnung und Reaktivierung des im Bau der Neuen Nationalgalerie angelegten utopisch-emanzipativen Potenzials. |