Michel Auder
* 1945 in Soissons (fr), lebt und arbeitet New York (us)

My Last Bag of Heroin (For Real)
1986, veröffentlicht 1993, Video übertragen auf HD, 4 Min., Farbe, Ton

Brooding Angels: Made for RL
1988, Video übertragen auf HD, 6 Min., Farbe, Ton

Polaroid Cocaine
1993, Video übertragen auf HD, 5 Min., Farbe, Ton

Seit den späten 1960er Jahren widmet sich Michel Auder obsessiv dem Medium Film. Er war einer der Ersten, die mit Videoformaten experimentierten, und hat systematisch eigenes Archivmaterial überspielt und editiert und so seine Produktion zu einem Palimpsest von Bildern gemacht. Seine Filme und Videos aus den 1960er Jahren, die zum Teil im Umkreis von Andy Warhols Factory entstanden, sind intime Beobachtungen der New Yorker Kunst- und Glamourszene. Models, Musiker, Filmemacher und bildende Künstler lieferten ihm die Themen, mit denen er die Suche nach seinem eigenen Stil in Szene setzte. Auf der 5. berlin biennale sind drei Kurzfilme von Auder aus den 1980er und 1990er Jahren zu sehen. In My Last Bag of Heroin (For Real) lässt der Filmemacher die Betrachter zu Zeugen seines Abschieds vom Heroin werden – ein rohes Porträt an den Grenzen des Kinos. »Goodbye dope, goodbye monkey«, äußert der Protagonist, ein Filmemacher, so dass die Frage nach der Wahrheit im Dokumentarfilm zu einer existenziellen wird. In Brooding Angels: Made for RL und in Polaroid Cocaine gilt Auders Interesse der Reihung von Bildern, die, auch mithilfe von Musik, ihre eigene Geschichte erzählen. Mit filmischen Gestaltungsmitteln wie unruhiger Kameraführung oder Cut-up wird der Bildraum selbst bewegt: Er scheint sich dem Betrachter zu nähern und wieder zurückzuweichen und so ein Eigenleben zu entwickeln. In beiden Filmen nutzt der Künstler Footage-Material: Kriegsfotografien und Archivaufnahmen aus alten Dokumentar- und Spielfilmen kombiniert er mit archiviertem Material aus seinen eigenen filmischen Arbeiten zu einem Strom von Bedeutungen von frappierender semantischer und visueller Dichte. In Polaroid Cocaine, der mit einem mysteriösen Soundtrack der Schauspielerin und Sängerin Ingrid Caven unterlegt ist, hat der Künstler Aufnahmen, die er vom Fenster seiner im 20. Stockwerk gelegenen New Yorker Wohnung aus gemacht hat, mit TV-Sequenzen und Buchillustrationen zu einem Abbild des Lebens kombiniert, das um Begehren, Zerstörung und Tod kreist. Wie viele seiner Filme zeugen auch diese drei von einer kompromisslosen und erstaunlichen Vision von Kino.